
Sollten wir nicht ein Non-Profit-Gesundheitssystem haben? Warum gründen Ärzte keine Non-Profit-Krankenhäuser oder Genossenschaften, um die Profitgier zu stoppen? Hier erfährst du die Hintergründe und Lösungen.
Warum gibt es kein Non-Profit-Gesundheitssystem?
Die kurze Antwort auf deine brennende Frage: Das aktuelle System bestraft Gemeinwohl und belohnt Profit. Ärzte gründen selten Genossenschaften, weil immense Kapitalhürden, veraltete Zulassungsgesetze und eine auf Hierarchie getrimmte Ausbildungskultur dies aktiv verhindern – doch es gibt eine wachsende Untergrundbewegung, die genau das ändert.
Hier ist der Argumentations-Leitfaden, basierend auf dem Artikel. Nutze ihn für Diskussionen, um nicht nur Missstände anzuprangern, sondern direkt konstruktive Alternativen aufzuzeigen.
Er ist in vier Phasen unterteilt: Problembenennung – Systemanalyse – Die falsche Entwicklung – Die echte Lösung.
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🧱 Phase 1: Die These (Das Problem benennen)
Argument: Das aktuelle Gesundheitssystem ist ethisch falsch ausgerichtet.
- Gesundheit ist keine Ware: Krankenhäuser und Praxen sollten Daseinsvorsorge sein (wie die Feuerwehr), keine Renditeobjekte.
- Der falsche Anreiz: Durch Fallpauschalen (DRGs) wird Krankheit „bepreist“. Es lohnt sich finanziell mehr, viel und schnell zu operieren, als präventiv zu sprechen oder sich Zeit zu nehmen.
- Das Ergebnis: Pflegekräfte brennen aus, Patienten werden „abgefertigt“, und Profite fließen aus dem Solidarsystem an private Aktionäre ab.
🚧 Phase 2: Die Hürden (Warum Ärzte es nicht einfach „anders“ machen)
Argument: Es ist nicht nur individuelle Gier, sondern eine strukturelle Blockade.
- Die Kapital-Mauer: Ein Krankenhaus oder ein modernes MVZ zu gründen, kostet Millionen (Geräte, Gebäude). Einzelne Ärzte können dieses Risiko privat kaum tragen – Konzerne schon.
- Banken-Logik: Banken finanzieren lieber gewinnorientierte Modelle als Non-Profit-Ideen ohne Renditeaussicht.
- Die Zulassungs-Falle: Arztsitze (KV-Sitze) sind limitiert und werden oft wie auf einem Basar an den Meistbietenden verkauft. Wer kein Kapital hat (wie eine junge Genossenschaft), geht leer aus.
- Kulturelles Erbe: Das Medizinstudium trainiert Hierarchie („Gott in Weiß“) und Einzelkämpfertum, nicht demokratische Teamarbeit, die für Genossenschaften nötig wäre.
🦈 Phase 3: Die Bedrohung (Was passiert, wenn wir nichts tun)
Argument: Wenn wir keine gemeinwohlorientierten Strukturen schaffen, übernehmen die „Heuschrecken“.
- Private Equity Invasion: Finanzinvestoren kaufen hunderte Praxen auf, bündeln sie zu Ketten (Zahnarzt, Augenarzt) und trimmen sie auf maximalen Profit.
- Verlust der Unabhängigkeit: Junge Ärzte werden dort angestellt und müssen oft Umsatzvorgaben erfüllen, statt frei medizinisch zu entscheiden.
- Geldabfluss: Beiträge der Versicherten landen als Dividende auf den Cayman Islands, statt in bessere Pflege zu fließen.
💡 Phase 4: Die Lösung (Wie es gerecht und besser geht)
Argument: Wir müssen Eigentum und Arbeit trennen – durch Kooperation.
- Bürgergenossenschaften: Nicht der Arzt muss das MRT kaufen, sondern die Gemeinschaft (Patienten, Bürger, Kommune). Die Genossenschaft stellt die Infrastruktur, der Arzt ist Angestellter.
- Vorteil: Arzt hat kein Risiko, Bürger haben Versorgungssicherheit.
- Polikliniken (Solidarische Gesundheitszentren): Interdisziplinäre Teams (Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen) unter einem Dach.
- Finanzierung: Gleicher Lohn für alle oder faire Tarife, Gewinne werden reinvestiert.
- Ansatz: Gesundheit statt Reparaturmedizin (Ursachenbekämpfung im Stadtteil).
- Asset Lock (Vermögensbindung): Eine rechtliche Klausel, die sicherstellt, dass die Einrichtung niemals an Investoren verkauft werden darf („Das Krankenhaus gehört sich selbst“).
- Kommune als Partner: Gemeinden müssen Gebäude günstig zur Verfügung stellen, um solche Initiativen zu ermöglichen.
🎯 Pro-Tipp für die Diskussion:
Wenn jemand sagt: „Ärzte wollen halt auch reich werden.“
Antworte: „Viele wollen vor allem gut arbeiten, ohne im Hamsterrad zu verbrennen. Wenn wir ihnen durch Genossenschaften das unternehmerische Risiko abnehmen und faire Gehälter zahlen, würden die meisten sofort das Non-Profit-Modell wählen. Es liegt an uns, diese Strukturen zu bauen, nicht nur an den Ärzten.“
Dein Weg aus der Ohnmacht des kaputten Gesundheitssystems
Fühlst du dich auch ausgeliefert? Du gehst ins Krankenhaus und spürst, dass du keine Person bist, sondern eine Fallpauschale. Pfleger hetzen durch die Flure, Ärzte haben keine Zeit, und am Ende zählt nur die schwarze Null in der Bilanz. Du fragst dich zu Recht: Warum tun sich die „Götter in Weiß“ nicht zusammen und bauen etwas Besseres?
Das Problem ist nicht nur „Gier“. Das Problem ist, dass wir Gesundheit zur Ware gemacht haben. Aber es gibt Hoffnung. Stell dir vor, du betrittst eine Praxis oder Klinik, die dir gehört – und deinen Nachbarn, und den Ärzten gemeinsam. Keine Rendite fließt an Aktionäre, jeder Euro wird reinvestiert.
Die Erfolgsgeschichte existiert bereits: In Hamburg-Veddel oder Berlin-Neukölln zeigen sogenannte Polikliniken (Solidarische Gesundheitszentren), dass es geht. Dort arbeiten Ärzte zum Einheitslohn, Sozialarbeiter sitzen Tür an Tür, und die Gesundheit des Stadtteils blüht auf.
Der Gewinn? Eine Gesellschaft, in der Krankheit kein Geschäftsmodell ist. Der Verlust, wenn wir nichts tun? Ein Zwei-Klassen-System, in dem Gesundheit ein Luxusgut wird und Krankenhäuser nur noch Fabriken sind.
Dieser Artikel zeigt dir nicht nur, warum das System so krank ist, sondern wie wir es heilen können – mit Fakten, Studien und einer Anleitung zur Revolution.
📊 Auf einen Blick: Profit-Medizin vs. Solidarische Genossenschaft
| Merkmal | Klassisches Krankenhaus / Private Praxis | Genossenschaft / Poliklinik (Non-Profit) |
| Oberstes Ziel | Profitmaximierung / Rentabilität (DRGs) | Gemeinwohl / Bevölkerungsgesundheit |
| Eigentümer | Konzerne, Private Equity, Chefärzte | Mitglieder (Patienten, Angestellte, Bürger) |
| Gewinnverwendung | Ausschüttung an Aktionäre/Inhaber | Reinvestition in Ausstattung & Personal |
| Arbeitskultur | Starke Hierarchie („Chefarzt-Prinzip“) | Flache Hierarchien, Teamentscheidungen |
| Risiko | Liegt beim Unternehmer/Konzern | Wird auf viele Schultern verteilt |
| Haupthindernis | Personalmangel durch Kostendruck | Kapitalbeschaffung & Bürokratie |
1. Der Systemfehler: Warum Gesundheit zur Ware wurde
Um zu verstehen, warum Ärzte nicht einfach aussteigen, müssen wir verstehen, worin sie gefangen sind. Seit der Einführung der Fallpauschalen (DRGs) im Jahr 2003 werden deutsche Krankenhäuser nicht mehr dafür bezahlt, dass sie da sind (Selbstkostendeckung), sondern für das, was sie „produzieren“.
Ein Krankenhaus ist heute eine Fabrik. Ein Patient mit Lungenentzündung ist ein „Produkt“, das einen festen Preis hat. Ist der Patient schneller gesund als kalkuliert? Gewinn. Braucht er länger Zuwendung? Verlust.
Studien der Hans-Böckler-Stiftung zeigen regelmäßig, dass dieser Druck zu einer „Ökonomisierung der medizinischen Entscheidungen“ führt. Ärzte operieren oft nicht, weil es nötig ist, sondern weil die Klinikleitung Druck macht, die „Mengen“ zu steigern.
In diesem Umfeld sind viele Ärzte keine Täter, sondern selbst Opfer, die im Hamsterrad rennen. Sie haben Angst, ihren Job zu verlieren, wenn sie „unwirtschaftlich“ (also menschlich) handeln. Der Schritt in eine Non-Profit-Gründung ist für jemanden, der 60 Stunden arbeitet und gerade so den Burnout vermeidet, eine titanische Aufgabe.
Wichtige Erkenntnis: Das System ist so designt, dass ethisches Handeln bestraft und ökonomische Rücksichtslosigkeit belohnt wird. Wer ausbricht, schwimmt gegen einen reißenden Strom.
2. Die Kapital-Mauer: Warum ein MRT kein Mietshaus ist
Du hast den Vergleich mit Mietshäuser-Syndikaten gebracht. Das ist ein exzellenter Gedanke, aber er stößt auf eine harte finanzielle Realität. Während man ein Wohnhaus „schon“ für wenige Millionen bekommt und die Mieteinnahmen relativ sicher kalkulierbar sind, ist Medizin ein Hochrisiko-Kapitalgeschäft.
Die Kostenfalle
Ein modernes Krankenhaus zu bauen, kostet hunderte Millionen Euro. Ein einziges High-End-MRT-Gerät kostet über eine Million, plus Wartung, plus extrem teures Personal.
Eine Gruppe von 10 idealistischen Ärzten kann vielleicht ihre Ersparnisse zusammenlegen, aber sie kommen niemals auf die Summe, die nötig ist, um ein Krankenhaus zu kaufen oder zu bauen.
Das Kredit-Problem
Banken geben Kredite gegen Sicherheiten. Ein Mietshaus ist eine Sicherheit. Ein Krankenhaus, das per Satzung keinen Profit machen will, ist für eine klassische Bank ein „schlechtes Investment“. Ohne die Aussicht auf hohe Rendite fließt kein Risikokapital.
Hier liegt der Hund begraben: Genossenschaften scheitern oft nicht am Willen, sondern an der Startfinanzierung. Die öffentliche Hand hat sich aus der Investitionsfinanzierung zurückgezogen, was private Konzerne (Helios, Asklepios etc.) als Lücke genutzt haben.
3. Die kulturelle Bremse: Vom Halbgott zum Teamplayer
Jetzt wird es psychologisch. Wir müssen über das Ego sprechen. Das Medizinstudium und die Facharztausbildung in Deutschland sind extrem hierarchisch geprägt.
Die Sozialisation des Arztes
Junge Mediziner lernen schnell: „Ich bin der Experte, ich trage die Verantwortung, ich gebe die Anweisungen.“ Eine Genossenschaft oder ein Kollektiv funktioniert aber demokratisch. Dort hat die Stimme der Pflegekraft oder des Sozialarbeiters bei strategischen Entscheidungen genauso viel Gewicht wie die des Arztes.
Viele Ärzte – auch die, die politisch links stehen – haben unbewusst Mühe, diesen Statusverlust zu akzeptieren. In einer Non-Profit-Genossenschaft wären sie „nur“ Angestellte des Kollektivs.
Zudem lockt die klassische Niederlassung mit enormen Freiheiten: „Mein eigener Chef sein“. In einer Genossenschaft muss man sich absprechen, diskutieren und Kompromisse finden.
Zitat eines Kassenarztes: „Ich möchte mich um meine Patienten kümmern, nicht in endlosen Plena darüber diskutieren, ob wir den Bio-Kaffee kaufen oder den fairen.“ – Diese Haltung verhindert oft kollektive Strukturen.
4. David gegen Goliath: Das Problem der Zulassung (KV-Sitze)
Angenommen, wir haben das Geld und das Team. Jetzt kommt der Endgegner: Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) und der Bedarfsplan.
In Deutschland darf man nicht einfach eine Praxis eröffnen, wo man will. Es gibt eine begrenzte Anzahl an „Sitzen“. Diese Sitze sind extrem begehrt und kosten oft Hunderttausende Euro Ablöse.
Wenn ein alter Arzt in Rente geht, verkauft er seinen Sitz meist an den Meistbietenden.
Wer gewinnt das Bietergefecht?
- Der junge Arzt, der sich hoch verschuldet (und dann Profit machen muss, um den Kredit zu tilgen).
- Der Finanzinvestor, der den Sitz kauft, um ein profitables MVZ zu bauen.
- Die Non-Profit-Genossenschaft? Sie hat oft das Nachsehen, weil sie nicht mithalten kann oder will, wenn Preise künstlich hochgetrieben werden.
Das System der Sitzvergabe ist blind für die Rechtsform. Es bevorzugt den, der Geld auf den Tisch legt, nicht den, der das beste Konzept für das Gemeinwohl hat.
5. Der heimliche Feind: Private Equity und MVZ-Ketten
Während wir uns wünschen, dass Ärzte sich zusammenschließen, tun das andere längst – aber aus den falschen Gründen.
Internationale Finanzinvestoren (Private Equity) kaufen massiv Arztsitze auf. Sie gründen Medizinische Versorgungszentren (MVZ).
- Der Trick: Sie bündeln Sitze, stellen junge Ärzte an (die froh sind, kein Risiko zu haben) und optimieren die Abrechnung.
- Die Folge: Zahnarztketten, die unnötige Behandlungen verkaufen. Augenarztketten, die IGeL-Leistungen pushen.
Das Perverse ist: Diese Konzerne nutzen genau die rechtlichen Strukturen (MVZ-GmbHs), die eigentlich für kooperative Versorgung gedacht waren, und pervertieren sie zur Geldmaschine. Das schreckt idealistische Ärzte ab, die MVZs nun mit „Kommerz“ assoziieren, obwohl die Struktur an sich neutral wäre.
6. Die Lösung I: Das Poliklinik-Modell (Solidarische Zentren)
Jetzt kommen wir zu den Lösungen! Es gibt Licht am Ende des Tunnels. In den letzten Jahren hat sich das Poliklinik-Syndikat formiert.
Was ist das?
Das sind Zentren, die Gesundheit neu denken: Nicht als Reparatur von Körpern, sondern als soziales Projekt. Sie wissen: Armut macht krank. Einsamkeit macht krank.
In einer Poliklinik (wie auf der Veddel in Hamburg) arbeiten Allgemeinmediziner, Psychologen, Sozialarbeiter und Hebammen unter einem Dach.
Wie funktioniert es ohne Profit?
Sie sind meist als gemeinnützige GmbH (gGmbH) oder Verein organisiert.
- Alle Angestellten erhalten oft ähnliche Löhne.
- Überschüsse (sofern vorhanden) fließen in Projekte im Stadtteil (z.B. Gesundheitskioske).
- Sie nutzen Fördermitteltöpfe für Sozialarbeit, um das zu finanzieren, was die Krankenkasse nicht zahlt: Das Gespräch.
Dies ist der Proof of Concept für deine Idee. Es funktioniert, aber es ist harte Arbeit und ständiger Kampf um Finanzierung.
7. Die Lösung II: Bürgergenossenschaften – Wenn Patienten Chefs werden
Warum darauf warten, dass Ärzte es tun? Wir können es selbst tun!
Die Bürgergenossenschaft ist das mächtigste Werkzeug, das wir haben.
Das Modell
- Gründung: 1.000 Bürger einer Kleinstadt oder eines Stadtteils gründen eine Genossenschaft.
- Einlage: Jeder zahlt 500 Euro. Startkapital: 500.000 Euro.
- Macht: Die Genossenschaft baut/mietet die Praxisräume und stellt Ärzte an.
- Vorteil für Ärzte: Sie bekommen ein gutes Gehalt, geregelte Arbeitszeiten, keinen Papierkram und kein unternehmerisches Risiko. Dafür verzichten sie auf den Porsche, gewinnen aber Lebensqualität.
Es gibt erfolgreiche Beispiele wie das Ärztehaus in Büsum oder Projekte im Schwarzwald, wo Gemeinden so dem Ärztemangel begegnen. Das ist der Weg: Die Gemeinschaft besitzt die Infrastruktur, der Arzt ist der Experte darin.
8. Finanzierung der Utopie: Ethische Banken und Asset Lock
Wie brechen wir die Kapitalmacht? Indem wir Geld nutzen, das „gut“ sein will.
Banken wie die GLS Bank, die Triodos Bank oder die EthikBank haben sich spezialisiert auf Kredite für Projekte, die dem Gemeinwohl dienen.
Der Asset Lock (Vermögensbindung)
Um sicherzustellen, dass die mühsam aufgebaute Genossenschaft nicht in 20 Jahren doch an einen Konzern verkauft wird (weil die Gründer reich werden wollen), braucht es einen Asset Lock.
Das ist eine rechtliche Klausel in der Satzung (bekannt vom Mietshäuser Syndikat), die besagt: Das Vermögen der Gesellschaft kann niemals privatisiert werden. Es gehört sich selbst. Das garantiert ewige Gemeinwohlorientierung.
9. Interaktiver Check: Bist du bereit für die Gesundheitswende?
Lass uns prüfen, ob in dir oder deinem Umfeld das Potenzial für eine Veränderung steckt. Beantworte diese Fragen ehrlich:
- [ ] Gibt es in deiner Region Ärztemangel? (Ein starker Motor für kommunale Unterstützung).
- [ ] Kennst du Ärzte, die über Bürokratie und Zeitdruck klagen? (Potenzielle Verbündete).
- [ ] Bist du bereit, Anteile an einer Gesundheits-Genossenschaft zu kaufen (z.B. 200–500€)?
- [ ] Gibt es leerstehende Gebäude in deiner Gemeinde, die genutzt werden könnten?
Ergebnis: Wenn du mehr als zwei Haken gesetzt hast, ist der Boden fruchtbar. Dein nächster Schritt: Google nach „Poliklinik Syndikat“ oder sprich im Gemeinderat das Thema „Kommunales MVZ“ an.
10. Fazit: Wir müssen die Ärzte retten, um uns zu retten
Du hast gefragt, ob Ärzte Kapitalisten sind. Die Antwort ist: Viele wurden dazu gemacht, und das System lässt ihnen kaum eine andere Wahl, wenn sie nicht untergehen wollen. Aber die Wut darüber darf nicht in Resignation enden.
Die Tatsache, dass Ärzte sich bisher selten in Genossenschaften organisieren, ist ein Marktversagen, das wir durch Zivilcourage korrigieren müssen. Wir dürfen nicht warten, bis die „Götter in Weiß“ von ihrem Thron steigen. Wir müssen ihnen die Hand reichen und sagen: „Wir bauen die Klinik, ihr heilt die Menschen. Zusammen.“
Das Modell der Bürgergenossenschaft und der solidarischen Poliklinik ist der einzige Weg, die Profitgier aus dem System zu operieren. Es ist anstrengend, es ist komplex, aber der Gewinn ist unbezahlbar: Eine humane Medizin für alle.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Gesundheits-Revolution
1. Was ist der Unterschied zwischen einer Poliklinik und einem MVZ?
Ein MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) ist eine Rechtsform, die es erlaubt, Ärzte anzustellen. Eine Poliklinik ist ein inhaltliches Konzept, das meist ein MVZ nutzt, aber zusätzlich Sozialarbeit und Gemeinwohlorientierung integriert und oft kollektiv verwaltet wird.
2. Dürfen Genossenschaften überhaupt Ärzte anstellen?
Ja, das ist seit einigen Jahren rechtlich möglich. Genossenschaften können Träger eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) sein. Dies wurde gesetzlich erleichtert, um die Versorgung auf dem Land zu sichern.
3. Verdienen Ärzte in einer Genossenschaft schlechter?
Nicht zwingend. Sie verdienen meist nach Tarif oder angelehnt an Oberarzt-Gehälter. Sie verdienen weniger als ein extrem erfolgreicher Unternehmer-Arzt oder Radiologe, aber oft mehr als ein Assistenzarzt im Krankenhaus, bei deutlich besseren Arbeitsbedingungen.
4. Warum kaufen Finanzinvestoren Arztpraxen auf?
Weil es sichere, staatlich garantierte Einnahmen sind (über die Krankenkassen). Durch Skaleneffekte (gemeinsamer Einkauf, Verwaltung) und Fokussierung auf lukrative Behandlungen (OPs, teure Diagnostik) lässt sich eine hohe Rendite erwirtschaften, die dann aus dem Gesundheitssystem abfließt.
5. Was ist ein „Asset Lock“?
Ein „Asset Lock“ (Vermögensbindung) ist eine Klausel im Gesellschaftsvertrag, die verhindert, dass Gewinne an Privatpersonen ausgeschüttet werden oder das Unternehmen (z.B. die Praxis) gewinnbringend verkauft wird. Das Vermögen bleibt dauerhaft für den sozialen Zweck gebunden.
6. Warum machen Kommunen keine eigenen Krankenhäuser mehr?
Viele Kommunen haben ihre Krankenhäuser in den letzten 20 Jahren privatisiert, weil sie durch die Fallpauschalen defizitär waren und die Kommunen das Minus nicht mehr tragen konnten. Aktuell gibt es aber einen Gegentrend zur „Rekommunalisierung“.
7. Können Patienten in einer Genossenschaft mitbestimmen, wie behandelt wird?
Nein, die medizinische Fachautonomie bleibt beim Arzt. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Patienten als Genossenschaftsmitglieder können aber über Öffnungszeiten, Serviceangebote, Ausstattung und die strategische Ausrichtung der Praxis mitbestimmen.
8. Wo finde ich eine solidarische Praxis in meiner Nähe?
Das „Poliklinik Syndikat“ bietet eine Übersicht über bestehende und in Gründung befindliche Projekte in Deutschland. Auch Begriffe wie „Gesundheitskollektiv“ oder „Stadtteilgesundheitszentrum“ helfen bei der Suche.
9. Ist ein solidarisches Krankenhaus rechtlich überhaupt möglich?
Ja, es gibt gemeinnützige Krankenhäuser (oft kirchlich oder vom Roten Kreuz). Ein komplett selbstverwaltetes, genossenschaftliches Akut-Krankenhaus ist möglich, scheitert aber oft an den immensen Investitionskosten, nicht am Recht.
10. Was kann ich tun, wenn ich kein Geld habe, aber helfen will?
Engagement ist genauso wertvoll wie Kapital. Viele Initiativen suchen Menschen für Öffentlichkeitsarbeit, Organisation oder die Betreuung von Nachbarschaftscafés in den Gesundheitszentren. Schließ dich einer lokalen Initiative an!
Glossar
- DRG (Diagnosis Related Groups): Fallpauschalen-System. Krankenhäuser bekommen Geld pro Diagnose/Fall, nicht nach tatsächlichem Aufwand. Haupttreiber des Kostendrucks.
- KV (Kassenärztliche Vereinigung): Die Organisation der niedergelassenen Ärzte. Sie regelt, wer wo eine Praxis eröffnen darf und verteilt das Geld der Krankenkassen.
- MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum): Eine Einrichtung, in der mehrere Ärzte (auch unterschiedlicher Fachrichtungen) angestellt oder freiberuflich zusammenarbeiten.
- Private Equity: Außerbörsliches Eigenkapital. Finanzinvestoren, die Firmen (oder Praxen) kaufen, im Wert steigern und gewinnbringend weiterverkaufen oder „melken“.
- Capitation: Ein alternatives Vergütungsmodell, bei dem Ärzte eine Pauschale pro Patient pro Jahr erhalten, egal wie oft er kommt. Setzt Anreize für Gesunderhaltung statt für viele Behandlungen.
Zusammenfassung
Wir stehen an einem Scheideweg. Die „Kapitalisierung“ der Ärzte ist kein Naturgesetz, sondern eine Fehlentwicklung, die korrigiert werden kann. Die Gründe für das Fehlen von Genossenschaften liegen in hohen Hürden (Kapital, Zulassung) und alten Denkmustern.
Die Lösung liegt in neuen Bündnissen: Wenn Ärzte, Patienten und Kommunen sich in Genossenschaften zusammentun, können wir die Profitlogik brechen. Es ist Zeit, Gesundheit wieder zu einem Gemeingut zu machen. Machst du mit?

Autor von Smarten.de und Fan von smarter Technik für eine bessere Zukunft.







